Glossar

Abspaltung: …ist ein psychischer Vorgang, als Folge von Traumatisierung. Ein Gefühl oder Sinneseindruck gelangt während des Traumas nicht ins Bewusstsein, sondern wird durch die Überforderung in der traumatischen Situation unterdrückt; existiert jedoch weiter im Unbewusstsein. Es ist ein Vorgang, der das Überleben einer schweren bedrohlichen Notsituation ermöglicht. Das traumatische Erlebnis wird von vom bewussten Sein abgespalten, da das deutliche Wahrnehmen die betroffene Person überfordern würde.

Altersregression: …bezeichnet das Zurückfallen einer Person in ein jüngeres Alter, ausgelöst durch die Erinnerung an zurückliegende Ereignisse, z. B. aus der Kindheit. Die Erinnerung geht mit einem dem Ereignis altersadäquaten Empfinden und Verhalten einher z. B. einer kindlichen Emotionslage sowie kindlichen Verhaltensweisen.

Alltagsteam / Alltagssystem / Alltagspersönlichkeiten: …bezeichnet Anteile / Persönlichkeiten oder ein ganzes Untersystem (Team) der Person, die den Alltag nach außen organisieren und gestalten, z.B. für den Alltag wichtige Themen wie die Organisation von Kinderbetreuung, Haushalt, Arbeit oder Behördengänge sein. Die Alltagspersonen / das Alltags-Team schützt das Innere auch vor äußeren Eindrücken und schirmt diese davon ab.

Amnesie: …ist eine Gedächtnisstörung für zeitliche oder auch inhaltliche Erinnerungen an ein Ereignis. Hervorgerufen werden kann eine Amnesie z.B. durch ein Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnerschütterungen oder ähnliches. Dissoziationsbedingte Amnesie hingegen ist eine Überlebensstrategie des Gehirns, um ein Trauma zu überstehen / zu überleben. Es ermöglicht den Betroffenen, das Leben fortzusetzen. Es beschreibt in dem Fall das Nicht-erinnern-können einer Trauma-Situation. Jedoch wird diese im Unterbewusstsein gespeichert – und es kann Jahrzehnte dauern, bis es wieder ins Bewusstsein gelangt und erinnert wird. Vor dem Wiedererinnern weiß die betroffene Person einer dissoziativen Amnesie nichts von der erlebten Trauma-Situation. Daher kann es sehr schwierig sein, die belastende Situation selbst zu realisieren.

Außen: …benennt in Bezug auf das “Viele-Sein” das reales Außen-Erleben. Es bezeichnet reale Personen, Situationen und Umgebungen im äußeren Leben im Gegenzug zum “Innen”-Erleben.
Die Bezeichnung „Außen“ wird auch für Innenpersonen verwendet, welche sich „nach draußen schieben“ (also nicht nur in der inneren Welt bleiben) um dort zu agieren.

Außenmenschen / Außenkinder: Außenmenschen bezeichnet beispielsweise Partner*in, Kinder, Arbeitskolleg*innen usw. Sie werden manchmal so benannt, um Verwechslungen von Innenkindern und Außenkindern zu vermeiden.

Beobachter (innerer): Beobachter sind in Bezug auf Systeme / innere Anteile multipler Menschen / Persönlichkeiten, die alles beobachten. Sie greifen nicht ein und gehen nicht ins „Außen”. Sie haben die Aufgabe, das Geschehen im Innen und/oder im Außen genau zu beobachten und sich zu merken.

Beschützer: Innere Beschützer schützen das innere System oder das Erleben und tun alles, um die Gefahr zu verringern. Sie sorgen dafür, dass es dem System / der multiplen Person gut geht. Diese Beschützer können verschiedene Gestalten haben.
Oder sie werden durch Imaginationsübungen erschaffen. Diese imaginierten Beschützer sind aber keine eigenständigen Persönlichkeiten. Die Technik der Imagination wird u.a. in der Traumatherapie angewandt… auch bei Menschen, die nicht “viele” sind.
Auch Täter-Introjekte / täteridentifizierende Anteile können als „Beschützer“ betrachtet werden, da sie das System vor noch mehr Schaden schützen wollen, auch wenn dies auf dem ersten Blick nicht immer erkennbar ist. Dabei übernehmen Täter-Introjekte z.T. die Aussagen (Drohungen) der Täter:innen; zum Beispiel wenn der Täter droht: „Wenn du etwas erzählst, bringe ich dich und deine Kinder um.“ Der täteridentifizierte Anteil wird dann alles daransetzen, dass nichts erzählt wird, damit der Person oder deren Kinder kein Schaden zugefügt wird.
Auch Täter-Introjekte / täteridentifizierende Anteile / sollten als Beschützer betrachtet werden, da sie das System vor noch mehr Schaden schützen wollen, auch wenn dies auf dem ersten Blick nicht immer erkennbar ist.

Co-Bewusstsein: …bezeichnet das bewusste Erleben verschiedener Anteile / Persönlichkeiten, welche das Innen sowie das Außen gleichzeitig mitbekommen können. Ähnlich wie in einem Auto zu sitzen, ein Anteil / Persönlichkeit ist “vorne” und lenkt das Auto (agiert also) und weitere Anteile / Persönlichkeiten bekommt tatsächlich alles mit, ebenso umgekehrt.

Depersonalisations- und De-Realisations-Syndrom: …eine seltene Störung, bei der Betroffene spontan beklagen, dass ihre geistige Aktivität, der eigene Körper und/oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben… und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden. Klagen über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt sind die häufigsten Symptome. De-Realisation bezieht sich auf die Umgebung… und De-Personalisation bezieht sich auf die Person selbst. Beides kommt häufig im Zusammenhang mit dissoziativen Störungen vor.

Dissoziation: … ist die Fähigkeit, etwas aus dem Alltagsbewusstsein abzuspalten. Die Aufspaltung der Persönlichkeit ermöglicht das Überleben in solch ausweglosen Lebensverhältnissen. Diese Dissoziation ist keine Entscheidung, sondern geschieht unwillkürlich und ist von den Betroffenen nicht steuerbar.
https://www.vielfalt-info.de/index.php/viele-sein/trauma-dissoziation

Dissoziative Fugue: Unter dissoziativer Fugue versteht man ein plötzliches, unerwartetes oft zielloses „Weglaufen“ einer Person; eine Ortsveränderung, die über die gewöhnliche Alltagsmobilität. Für die Zeit des Weglaufens kann eine dissoziative, teils reversible Amnesie auftreten. Die plötzliche Flucht ist vom Willen der Person unabhängig.

Dissoziative Identitätsstörung, Abk. DIS (früher Multiple Persönlichkeitsstörung, Abk. MPS)
Für den Überlebensmechanismus der Aufspaltung der Psyche in verschiedene Persönlichkeiten oder Persönlichkeitsanteile gibt es unterschiedliche Begriffe, die zwar das gleiche Phänomen meinen, aber unterschiedliche Haltungen zum Ausdruck bringen. In der medizinischen und therapeutischen Fachliteratur (den offiziellen Diagnosekriterien DSM–IV und ICD–10) spricht man von Multipler Persönlichkeitsstörung (MPS) bzw. heute von Dissoziativer Identitätsstörung (DIS). Definiert wird damit die „Existenz von zwei oder mehr unterschiedlichen Identitäten oder Persönlichkeitszuständen; jede mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster, die Umgebung und sich selbst wahrzunehmen, sich auf sie zu beziehen und sich gedanklich mit ihr auseinander zu setzen. Mindestens zwei dieser Identitäten oder Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die Kontrolle dieser Person“.
Im Begriff der „Störung“ drückt sich zugleich die Pathologisierung des Phänomens aus.
Quelle: https://wildwasser-wiesbaden.de/assets/files/fachtexte/beratung-von-frauen-mit-multipler-persoenlichkeitsstruktur.pdf

Dissoziativer Stupor: (Stupor: körperliche und geistige Regungslosigkeit, Starrheit)
Dissoziativer Stupor wird aufgrund einer beträchtlichen Verringerung oder des Fehlens von willkürlichen Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung diagnostiziert. Dabei lassen Befragung und Untersuchung keinen Anhalt für eine körperliche Ursache erkennen. Zusätzliche Hinweise auf die psychogene Verursachung geben kurz vorhergegangene belastende Ereignisse oder Probleme.
(Taschenführer ICD 10 – Klassifikation psychischer Störungen, Dillinger/Freyberger)

Flashback: … bedeutet das Wiedererleben eines früheren Traumas. Ausgelöst durch Trigger (Schlüsselreize im Innen oder Außen wie Gegenstände, Gerüche, Formen etc.), erleben die Betroffenen eine traumatische Situation wie in Echtzeit wieder. Dabei werden allen Gefühle, Erinnerungen und alle Sinneseindrücke wiedererlebt. Sie können in abgemilderter Form, wie nur das Wiedererleben von Gefühlen oder Sinneseindrücken (auch Körpererinnerungen) bis zum kompletten Wiederholen der Situation erlebt werden. Sie sind Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung (Intrusion). Sie können zu jeder Zeit, auch viele Jahrzehnte nach dem Erlebnis, auftreten.

Fusion: …wird auch als Integration bezeichnet – und meint Persönlichkeiten / Anteile, welche zu einer Person “verschmelzen” und nicht mehr alleine und eigenständig agieren. Fusionierung/Integration bedeutet nicht den kompletten Verlust oder das Sterben von Anteilen, sondern die neuronal genutzten Netze der einzelnen Anteile / Persönlichkeiten verbinden sich und sie agieren zusammen als eine Person. Komplette Fusionierung/Integration ist nicht die Lösung für jedes System und sollte nicht erzwungen werden. Fälschlicherweise wird dies oft als Heilung bezeichnet, doch die Gesamtperson muss am Ende auch noch in der Lage sein mit dem Erlebten leben zu können, darum Streben viele Systeme eher die Kommunikation untereinander an.

Gedankenkontrolle / Mind-Control / Gehirnwäsche: Gedankenkontrolle wird häufig in destruktiven missbräuchlichen Organisationen verwendet, um Kinder zu “brechen” oder um gezielt eine dissoziative Identitätsstörung zu erzeugen. Sie werden gezielt extremen Traumata ausgesetzt, um verschiedene Anteile / Persönlichkeiten zu erschaffen, welche dann nach „Bedarf“/ Aufgabe wieder hervorgerufen werden können (auch wenn sie schon erwachsen ist), um bestimmte Dinge zu tun, zu sagen oder ähnliches (siehe Programmierung).
Während Kinder sich entwickeln, müssen sie lernen, komplizierte und verschiedene Arten von Informationen und Erfahrungen in eine zusammenhängende, komplexe persönliche Identität zu integrieren. Sexuelle und körperliche Misshandlung in der Kindheit, während sich die persönliche Identität entwickelt, kann dauerhafte Auswirkungen auf die Fähigkeit einer Person haben, eine einzige vereinigte Identität zu entwickeln, vor allem wenn die missbrauchenden Personen Eltern oder Betreuer sind.

ICD: Diagnoseklassifikationssystem der Medizin, wird von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben. Deutschlands momentan gültige Ausgabe: ICD-10-GM. Die Veröffentlichung einer Umfassende Überarbeitung (ICD 11) ist für 01.01.2022 geplant.

Imagination: …meint das bewusstes Erzeugen innerer Bilder oder Filme. Imagination ist eine besonders wichtige Technik in der Traumatherapie um Traumata zeitweise zu verpacken, sich einen sicheren Ort zu schaffen der ausschließlich positiv ist oder um ‚innere Beschützende/Helfende‘ zu erzeugen.

Innere Helfende: Innere Helfer/Helferinnen können z. B. durch Imagination erschaffen werden, um im Inneren der traumatisierten Person etwas zu (unter-)stützen, zu schützen oder zu trösten. Beispielsweise ein Teddy oder eine Fee (die vom Inneren-Kind als hilfreich empfunden werden); die ein traumatisiertes Innen-Kind begleiten und beruhigen. Im Bezug zur DIS gibt es eigenständige Anteile/ Persönlichkeiten, die im Inneren diese Aufgabe übernehmen.

Innen: …wird als Begriff für die innere Erlebniswelt einer multiplen Person verwendet um z. B. die innere Umgebung, Innenpersonen oder Situationen im Abgrenzung zum Außen zu verdeutlichen.

Innenpersonen: … Beschreibung der inneren Anteile / Persönlichkeiten von Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung. Wird von einzelnen Innenpersonen bei multiplen Menschen gesprochen, werden diese dann mit Namen oder Funktion benannt.

Innenwelt: …beschreibt bei multiplen Personen den Ort, wo sich Innen-Personen aufhalten. Die Innenwelt multipler Personen sieht sehr unterschiedlich aus, muss aber auch nicht vorhanden sein.

Introjektion: Übernahme von externen Einstellungen und Beziehungsmustern im Dienste des Überlebens und der Anpassung (Fremdkörper in der Seele)

Intrusion: …siehe unter Flashbacks. Beschreibt das Wiedererinnern / Erleben einer traumatischen Situation, welche Bilder, Alpträume und ähnliches umfasst.

Kognitiv: Kognitive Fähigkeiten bezeichnen alle Vorgänge hinsichtlich der geistigen Wahrnehmung, der Erkenntnis- und Denk-Prozesse.

Konditionierung: …beschreibt in der Psychologie das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern. Zum Beispiel lernt ein Kind an der roten Ampel (Reiz) stehen zu bleiben. (Reaktion). siehe auch Programmierung

Körperschmerzen / Körpererinnerungen: In einer traumatisierenden Situation entstandene Schmerzen werden wiederholt wahrgenommen (Körperbezogener Flashback). Die Art der “ehemaligen” Schmerzen ist sehr unterschiedlich und kann von kurzer Dauer sein oder bis zu mehreren Tagen anhalten. Körpererinnerungen sind nicht nur Schmerzen. Es können auch Übelkeit und Taubheit sein – oder das Gefühl, nicht richtig sehen, hören… zu können.

Körpergefühl: …bezeichnet den emotionalen Bezug zum Körper. Der Bezug zum Körper kann positiv oder negativ empfunden werden und auch schwanken.

Missbrauch: …beschreibt im Allgemeinen das Überschreiten rechtlicher Normen. Es gibt verschiedene Formen von Missbrauch: physischen und/oder psychischer Missbrauch, sexualisierte Gewalt…
„Wo Missbrauch beginnt“ siehe https://beauftragter-missbrauch.de/praevention/was-ist-sexueller-missbrauch/definition-von-sexuellem-missbrauch

Multiple Persönlichkeitsstörung: siehe Dissoziative Identitätsstörung

Multipel sein: …damit wird das Innere Erleben mehrerer Personen in einem Körper beschrieben. Man bringt damit zum Ausdruck mehrere / viele zu sein.

Physischer Missbrauch / Körperliche Gewalt: Als körperliche oder physische Gewalt gelten alle Angriffe auf die körperliche Unversehrtheit einer Person. Einen Überblick gibt u.a. die Webseite des Bundes-verbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe:
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek.html

Programmierung / Konditionierung:
Täter*innen nutzen die Dissoziationsfähigkeit von Kindern, um unter Folter und Manipulation gezielt Persönlichkeiten abzuspalten bzw. eine Dissoziative Identitätsstruktur (Multiple Persönlichkeit) zu erschaffen. Die Kinder erhalten (meist ab der Geburt) ein regelmäßiges „Training“ (drastische Bestrafungen, Überschreitung aller Ekel- und Schamgrenzen, Ausführen von Gewalt gegen andere, polarisiertes Weltbild erzeugen, komplette Unterwerfung, Schweigegebote). Es wird dadurch eine Festlegung und Automatisierung des gewünschten Verhaltens erzwungen (Konditionierung). Darauf aufbauend kommt Programmierung hinzu, d. h. das Erzeugen von Ketten aneinandergesetzter konditionierter Verhaltensweisen, die jeweils an verschiedene innere Persönlichkeiten gebunden sind und von Tätern durch konditionierte Auslöser in Gang gesetzt und gestoppt werden können.
https://vielfalt-info.de/index.php/rituelle-gewalt/konditionierung-programmierung

Psychischer Missbrauch / Psychische Gewalt: Die psychische Gewalt hat viele Formen, vom Beschimpfen, Verspotten und Bloßstellen bis zu Drohung und Erpressung. Auch Stalking und Mobbing zählen zur psychischen Gewalt.
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/was-ist-psychische-gewalt.html

PTBS / Posttraumatische Belastungsstörung: …diese entsteht als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde […] Typische Merkmale sind das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks), Träumen oder Albträumen, die vor dem Hintergrund eines andauernden Gefühls von Betäubt-Sein und emotionaler Stumpfheit auftreten. Ferner finden sich Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Meist tritt ein Zustand von vegetativer Übererregtheit mit Vigilanzsteigerung, einer übermäßigen Schreckhaftigkeit und Schlafstörung auf. Angst und Depression sind häufig mit den genannten Symptomen und Merkmalen assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. […]. (Taschenführer ICD 10 – Klassifikation psychischer Störungen, Dillinger/Freyberger)
Weitere Informationen unter: https://www.degpt.de/informationen/fuer-betroffene/trauma-und-traumafolgen/posttraumatische-beschwerden.html ) )

Posttraumatisches Wachstum: Erweiterung psychischer Ressourcen.
Die positiven Folgen durch Krisen und nach Krisen werden in der psychologischen Forschung als „posttraumatisches Wachstum“ begriffen und erforscht.
Posttraumatisches Wachstum ist nicht mit Resilienz zu verwechseln. Letztere schützt uns wie eine Art Gore-Tex-Schicht davor, dass Leid und Krise überhaupt zu sehr zu uns durchdringen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es auch, Geduld zu haben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatisches_Wachstum

Resilienz: …meint psychische Widerstandskraft; die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Ein Ball, der nach dem Tritt wieder in seine Ausgangsform zurückkehrt, ist resilient. Ein Schilfrohr, dass sich im Sturm biegt ohne zu brechen und danach wieder gerade steht, ist resilient. Resilienz kann trainiert und erlernt werden.

Ritueller Missbrauch / Rituelle Gewalt: … ist eine schwere Form der Misshandlung. Intention ist die Traumatisierung der Opfer. Rituelle Gewalt umfasst physische, sexuelle und psychische Formen von Gewalt, die planmäßig und zielgerichtet im Rahmen von Zeremonien ausgeübt werden. Diese Zeremonien können einen ideologischen Hintergrund haben oder zum Zwecke der Einschüchterung inszeniert sein. Dabei werden Symbole, Tätigkeiten oder Rituale eingesetzt, die den Anschein von Religiosität, Magie oder übernatürlichen Bedeutungen haben. Ziel ist es, die Opfer zu verwirren, in Angst zu versetzen, gewaltsam einzuschüchtern und mit spirituellen oder weltanschaulich-religiösen Glaubensvorstellungen zu indoktrinieren. Meist handelt es sich bei rituellen Gewalterfahrungen nicht um singuläre Ereignisse, sondern um Geschehnisse, die über einen längeren Zeitraum wiederholt werden.

Retraumatisierung: Unterschieden werden Retraumatisierungen zum einen innerhalb des Alltagslebens und zum anderen innerhalb des professionellen Umgangs mit traumatisierten Personen.
Ersteres kann durch absichtsvolles oder zufälliges Erleben eines Traumas der gleichen Art (z. B. Unfälle, Katastrophen, sexueller Missbrauch) oder durch entsprechende Medienberichte ausgelöst werden.
Retraumatisierungen im professionellen Umfeld können durch polizeiliche Ermittlungen, Gerichts-verhandlungen sowie beratende oder therapeutische Maßnahmen erzeugt werden – sind aber von therapeutischen Trauma-Expositionen abzugrenzen.

Sexualisierte Gewalt: Sexualisierte Gewalt hat viele Formen. Dazu gehören Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung und sexueller Missbrauch. Sexualisierte Gewalt wird auch in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen ausgeübt.
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/infothek/sexualisierte-gewalt/merkmale-und-tatsachen.html
Stabilität: Als innerer stabiler Zustand wird es bezeichnet, wenn (Alltags-)Situationen oder Stressmomente gut bewältigt werden, ohne dass ein Mensch psychischen Schaden daran nimmt.

Sicherer Ort: Um einen „Sicheren Ort“ zu imaginieren, gibt es wirksame Übungen, die sehr verschieden sein und ganz individuell ausgestaltet werden können. Ziel ist es, eine entspanntere Situation für mich zu schaffen; eine „Sicherheit“, die ich selbst herstellen kann (Selbstwirksamkeit, Selbsthilfe).
Hier eine Beispielanleitung:
https://www.therapiegraz.at/therapeutische-anleitungen/der-sichere-ort-imaginationsuebung-stress-angst-und-traumabewaeltigung

System: Personen mit einer DIS bezeichnen sich selbst als Gesamtsystem, kurz System. Gruppen von Persönlichkeiten in einem Gesamtsystem können auch als Untersysteme noch einmal zusätzlich von anderen Untersystemen getrennt sein. Es können also mehrere (Unter-)Systeme in einem Menschen existieren, die das Gesamtsystem ausmachen.

Trauma: Der Begriff Trauma (griech.: Wunde) lässt sich bildhaft als eine “seelische Verletzung” verstehen, zu der es bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis kommen kann. Als traumatisierend werden im Allgemeinen Ereignisse wie schwere Unfälle, Erkrankungen und Naturkatastrophen, aber auch Erfahrungen erheblicher psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen bezeichnet.[…]
https://www.degpt.de/informationen/fuer-betroffene/trauma-und-traumafolgen/https://www.degpt.de/informationen/fuer-betroffene/trauma-und-traumafolgen/

Täter: Bezeichnung der Person, welche Verursacher einer traumatisierenden Situation ist, daran mitwirkt
Traumatische Situationen umfassen Ereignisse, die:
• objektiv “mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß” (ICD-10) einhergehen oder “die tatsächlichen oder drohenden Tod, tatsächliche oder drohende ernsthafte Körperverletzung oder eine Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit von einem selbst oder Anderen” (DSM-IV) einschließt, sowie
• subjektiv “bei fast jedem Menschen eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würden“ (ICD-10); bzw. Ereignisse, die mit “starker Angst, Hilflosigkeit oder Grauen” erlebt wurde. (Dt. Gesellschaft für Psychotraumatologie)

Täterintrojekte: Fremdkörper in der Seele; von außen übernommene Einstellungen und Beziehungsmuster als Anpassung an äußere Bedrohungen.
Sie entstehen in den Opfern, indem Zustände, Bilder, Denkweisen, Absichten des Täters, ja dessen „so sein“ nach innen genommen werden. Wir alle kennen solche Identifikationen, die in der Ego-State-Therapie z. B. als innere Antreiber (Du musst perfekt sein!) bezeichnet werden. Bei Menschen mit einer komplexen PTBS und schweren dissoziativen Störungen bleiben diese Zustände allerdings unintegriert und „autonom“ agierend. Das alles ist
letztlich eine Anpassungsleistung, die in gewisser Weise dem Überleben der Person dient. Denn über diese Anteile sichern wir Beziehungen (Wichtig: Bindung/Beziehung ist überlebenswichtig. Als Kinder können wir nicht anders, als uns an unsere nahsten Bezugspersonen zu binden – egal, wie grausam uns diese auch behandelt haben), indem wir vermeintliche oder tatsächliche Erwartungen erfüllen. Leider gilt das auch für auto-destruktive
Erwartungen.
Unterschieden werden:
Täterloyale Anteile: Durch ein vom Täter erzeugtes Trauma wird als Schutzfunktion vom Gehirn ein oder mehrere Täter-Introjekte erzeugt. Diese Anteile stehen in einer pathologischen Bindung zu den Tätern. Diese Bindung existiert unter Leugnung eigener Bedürfnisse und Wünsche und orientiert sich an den Wünschen des/der Täter. (z. B. Ich muss gehorsam sein, um seine Zuwendung zu verdienen. Sie stimmen in gewisser Weise dem Täter zu und rationalisieren/bagatellisieren das erfahrene Leid. Typisch sind Sätze wie: „Aber das sind doch meine Eltern.“, „So schlimm war es gar nicht.“, Das bildest Du Dir ein“, aber auch „Ich fühle mich so eklig, schuldig,…“ Sie reinszenieren die traumatische Erfahrungen, indem sie drohen, strafen, verletzen. Diese Persönlichkeiten sind tief in der Psyche der Betroffenen verankert und schädigen das gesamte Leben hinweg mit Negativbotschaften wie: Du hast nichts Besseres verdient, Du bist daran schuld, Dir glaubt keiner. Dies kommt auch bei nicht-multiplen, aber als Kind traumatisierten Menschen vor. Bei multiplen Personen haben diese Anteile /Persönlichkeiten oft keinen Bezug dazu, dass sie dem Körper / der Psyche des Gesamtsystems schaden, da sie sich nicht dem Körper zugehörig fühlen.
Täterimitierende Anteile: Verhalten sich nach innen und nach außen wie Täter. Sie werten die Person/andere Anteile massiv ab, bedrohen diese – im schlimmsten Fall sind sie es, die den Kontakt zum Täter bzw. Tätern herstellen. Es ist sehr wichtig – und häufig ein sehr langer Prozess – zu verstehen, dass auch diese Anteile zum Schutz der Person entstanden sind. In einigen Therapien werden sie deshalb auch wertschätzender als Wächter bezeichnet.
Obwohl ihre Haltungen und entsprechenden Handlungen oft destruktiv sind, verfolgen sie eine gute Absicht (z. B. die Beziehungen sichern, Verletzungen durch Täter durch vorauseilenden Gehorsam zu vermeiden). Es ist wichtig, diese Absicht zu verstehen und gleichzeitig peú a peú alternative Einschätzungs- und Handungsmöglichkeiten zu entwickeln, also z. B. von: Ich muss gehorsam sein, sonst werde ich bestraft zu: Ich darf nein sagen!

Transgenerationale Weitergabe (auch Transgenerationalität oder Transmission, englisch: Transgenerational Transmission of Trauma (TTT)) bezeichnet die Übertragung von Erfahrungen der Angehörigen einer Generation auf die Mitglieder einer nachfolgenden Generation, wobei es sich in der Regel um ein unbeabsichtigtes, oft unbewusstes und nicht selten auch ungewolltes Geschehen handelt. Wege dieser transgenerationalen Weitergabe sind z.B. Erziehung (Erziehungsstile, Modelllernen,…), implizite Erzählungen (Familiengeheimnisse, -tabus) usw. Werden diese (traumatischen) Erfahrungen nicht (therapeutisch) bearbeitet, kann es zu Reinszenierungen in den nachfolgenden Generationen kommen. Das Leid wird weitergereicht.

Trigger: Trigger bezeichnen auslösende Momente, Ereignisse, Töne, Gerüche, Namen, Farben, Orte u.a., die in im Gehirn mit traumatischen Erinnerungen gekoppelt sind und zu Flashbacks führen. Während des Traumas werden diese unbewusst vom Gehirn abgespeichert und in Zusammenhang mit dieser schrecklichen Erfahrung gebracht. Beispielsweise kann bei einem Autounfall ein blaues Auto in der Nähe gewesen sein und die Farbe Blau oder ein blaues Auto kann fortan zu einem Flashback führen.

Wechsel/Switch: Wird bei Systemen / multiplen Menschen wahrgenommen, wenn ein Anteil / Persönlichkeit nach außen vortritt und die vorhergehende Persönlichkeit ablösen. Meistens ist es ein Wechsel zwischen Alltagsperson(en) und / oder Innenperson. Wechsel können wie bei Flashbacks durch Trigger ausgelöst werden oder auch durch ein nach außen treten von Innenpersonen.

Zeitverlust: Dieser entsteht, wenn verschiedene Anteile / Innenpersonen wechseln. Der Anteil / die Persönlichkeit, die das „Außen“ nicht mitbekommen, erleben diese Zeit nicht selbst… und darum existiert das, was in der Zeit passiert ist, für sie nicht. Kommt diese Persönlichkeit dann zu einem anderen Zeitpunkt hervor und sieht auf die Uhr oder den Kalender, stellt sie fest, dass seit ihre letzten Erinnerung Zeit vergangen ist.

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